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Kleine Erlebnisse

Im Sägewerk:
Vor einigen Jahren hatte mich die Bastelwut gepackt, alles und jedes wurde auf Verwendbarkeit in Blumengestecken geprüft, solche Gestecke brauchen wiederum ein Unterlage. Aber der Reihe nach:

Es ist Sommer, wir sind (natürlich) wieder in Norrbotten (Nordschweden). Wer einmal im Norden war, weiss, dass die Sommerzeit in Schweden mit der "Holzerntezeit" gleichzusetzen ist. Auf allen Strassen fahren grosse LKW´s um das frisch geschlagene Holz zu den Verarbeitungsfabriken zu bringen. So keimt der Wunsch nach zwei oder drei Scheiben von einem Baumstamm in mir auf. Glücklicherweise befindet sich in unserem Aufenthaltsort Jokkmokk ein Sägewerk.

Also hin, mehr als nein sagen kann ja niemand. Die Büros sind bereits verschlossen, es ist Feierabend. Aber auf dem Parkplatz steht noch ein PKW, dann muss also noch jemand da sein. Wir gehen etwas auf und ab und nach einiger Zeit sehen wir dann auch jemanden. Wir fragen den Schweden in unserem besten schwedisch, ob er denn auch englisch spräche. Er spricht es und wir tragen unser Anliegen vor. Ja, das sei kein Problem, er müsse nur eine Motorsäge holen, dann würde er uns ein paar Scheiben von einem Stamm absägen. Ob wir mitkommen wollen ? Aber sicher doch. So marschieren wir durch das Sägewerk und der Schwede fragt uns, ob wir das Werk vielleicht etwas näher erklärt haben möchten. Welch eine Frage, natürlich wollen wir. So kommen wir zu einer interessanten Führung durch das gesamte Werk. Hier und da startet "unser" freundlicher Schwede eine Maschine um die Funktion zu demonstrieren und wir sind fasziniert. Leider haben wir die Fotoapparate im Auto gelassen, aber wir wollen den Schweden nicht deshalb warten lassen. Zum Abschluss bekommen wir dann noch fünf Baumscheiben. Natürlich kostenlos ! Natürlich ? In Schweden ist das offenbar normal.

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Der Schwede hat seinen Feierabend für uns verschoben, das gesamte Werk ausführlich erklärt und scheint sich über unser Interesse ehrlich gefreut zu haben. Ähnlich erging es uns in der kleinen Zinnfabrik in Jokkmokk. Diese im Vergleich kleine Firma möchte ihre Produkte (gearbeitet aus englischem Zinn, welches nicht anläuft und auf den ersten Blick aussieht wie Silber) natürlich auch an Touristen verkaufen. Und doch reagiert am Ende der Besichtigung keiner unfreundlich, wenn man kein Souvenir kauft. Man sieht das Rohmaterial, beobachtet das Giessen in die Formen und das Gravieren des Endproduktes. Eine kleine Ausstellung im Verkaufsraum rundet das Ganze dann ab.

Auf unsere Nachfragen haben wir jedesmal zur Antwort bekommen, dass man allen Interessierten gerne Einblick in die Arbeit der jeweiligen Fabrik gewährt. Man stelle sich das einmal in Deutschland vor: Einerseits lauert da ein Betriebs- geheimnis und dann noch all die "vergeudete" unbezahlte Zeit........

Mit anderen Worten: Wenn Ihr etwas näher in Augenschein nehmen möchtet, dann zögert nicht und fragt einfach mal. Wie man in den Wald reinruft...

 
Winterfoto aus Lappland

Eine Schneefräse auf dem Silvervägen, der das norwegische Junkerdal mit Arjeplog in Västerbotten, schwedisch Lappland, verbindet.

In Arjeplog ist übrigens im Winter das Zentrum der Autotester aus aller Welt.

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Mit dem Wohnmobil im Winter im Norden:
Bislang waren wir zweimal mit einem gemieteten Wohnmobil im Winter in Norwegen und Schweden unterwegs und beide Male bekam der Urlaub einen kleinen Hauch von Abenteuer.
 
Beim ersten Mal mieteten wir uns ein Hymer-Wohnmobil bei einem bekannten deutschen Warenhaus und fuhren zum Jahresende 1984 gen Norden. Der Hymer hatte vom Vermieter eine neue Winterbereifung erhalten, Schneeketten waren ebenfalls an Bord, die Gasflaschen gefüllt: Es konnte losgehen.

Wir fuhren relativ zügig nach Norden, es war kurz vor Weihnachten und wir wollten Weihnachten nördlich des Polarkreises sein. Die Temperaturen hielten sich bislang in Grenzen, es war allerdings mit - 5º bis -10º C doch kälter als im Winter zuvor in Süd-Norwegen. Wir mussten die Truma-Gasheizung des Wohnmobils weit aufdrehen, um wohnliche Temperaturen im Wageninneren zu erhalten. Doch im Verlauf der Fahrt zeigte sich dann, dass nicht alle wesentlichen Teile im Fahrzeuginneren sind: Der Abwassertank befindet sich (soweit ich weiss auch heute noch) unter der Wohnkabine am Heck des Wagens und Wasser friert bekanntlich bei Minusgraden ein. Der Frischwassertank befindet sich zwar im Wageninneren, doch verlaufen die Zuleitungen vom Tank zur Dusche, zum Küchenblock und zum Handwaschbecken z.T. ebenfalls unter der Wohnkabine. Nun ja, mit dem Problem konnten wir leben, wir mussten dann eben zum Duschen auf einen Campingplatz. So weit, so gut.



Diese Schlittenart nennt sich "spark".          

Der Winter im Norden ist wunderschön, der Schnee ist im Vergleich zum norddeutschen Schneematsch traumhaft sauber. Die Reifen des Wohnmobils greifen gut im Schnee, auf Glatteis sollte man tunlichst etwas langsamer fahren, dafür kann man dann besser die Landschaft geniessen. In Jokkmokk, einem kleinen schwedischen Ort etwas nördlich des Polarkreises stellen wir uns mit dem Wohnmobil auf einen Campingplatz und sind damit die einzigen Gäste überhaupt. An einem der letzten Tage hatte die Automatik von der ersten auf die zweite Gasflasche (2 x a 11 kg) umgeschaltet und wir machen uns auf, um an einer Tankstelle unsere Gasflaschen auffüllen zu lassen. Die uns mitgegebenen Adapter in der Hand hören wir dann entsetzt, dass die Schweden (und Norweger ebenfalls) ein anderes Gassystem haben. Man könne uns zwar neue, schwedische Gasflaschen verkaufen, unsere Heiz-, Koch- und Lichtleistung wäre aber sehr reduziert sein, da die schwedischen Gasflaschen mit einem niedrigeren Druck gefüllt sind. Unsere Flaschen auffüllen könne man ohnehin nicht! Es gäbe aber Stationen, die auch deutsche Gasflaschen mit dem deutschen Druck wieder auffüllen: 1 x in Luleå und 1 x in Trondheim (Norwegen). Unser Traum vom ruhigen Weihnachtfest im Norden ist zerplatzt. Wir müssen zurück in den tiefen Süden; jetzt während der Weihnachtstage hat es wenig Sinn in Luleå nach Gas zu fragen, also ab in Richtung Trondheim.

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Mit bangen Augen wird die Kontrollampe für die korrekte Gaszufuhr regelmässig von uns kontrolliert. An einer Tankstelle kaufen wir uns dann einen Heizlüfter für PKWs. Norweger und Schweden benutzen diese Geräte zum Auftauen des Fahrzeuginneren vor Fahrtantritt. Damit sind wir nun zwingend auf einen Stromanschluss zur Übernachtung angewiesen, aber wir können Gas sparen. Während der nächsten Tage wird es kälter und uns frieren während der Fahrt die Lebensmittel im Kühlschrank und in einigen Staufächern ein. Da nicht alle Campingplätze geöffnet haben, übernachten wir einige Male auf Tankstellen; dort bekommen wir einen meistens kostenlosen Stromanschluss. Die Tankstellengeräusche werden von dem penetranten Dauergeheule des Heizlüfters übertönt. Andererseits haben wir daher immer noch Gas in der zweiten Flasche, als wir am Sylvesterabend in Trondheim eintreffen. Von den Campingplätzen scheint nur einer geöffnet zu haben, wir sehen allerdings nur ein paar farbige Studenten, die in einigen Campinghütten leben, Wohnmobile oder andere Touristen sind weit und breit nicht zu sehen. Das stört uns jedoch alles nicht: Wir sind in Trondheim, es ist Sylvester und wir haben einen Stromanschluss ! Den brauchen wir dann aber auch ! Unser Gas ist alle ! Aus und vorbei der Traum vom warmen Essen! Doch die Studenten lassen uns dann freundlicherweise bei sich in der Campinghütte kochen und essen und wir können um Mitternacht mit vollem Magen das Feuerwerk über der Stadt bewundern.

    Rentiere haben im tiefen
     Schnee arge Probleme.

Am 2. Januar können wir dann endlich die Gasflaschen wieder auffüllen lassen. Aus der Heizung kommt endlich keine Kälte mehr (für die nötige Sauerstoffzufuhr gibt es eine Art Luftloch nach aussen. In der Nähe der Heizung war es in der gaslosen Zeit am kältesten). In den nächsten Tagen fahren wir dann gemächlich weiter nach Süden in Richtung auf die schwedische Grenze. Dort in den Bergen wird es dann kälter. In Idre (Schweden, nahe der Grenze zu Norwegen) wollen wir auf einem Campingplatz übernachten. Und es wird kalt. Sehr kalt. Gegen 23.00 Uhr gehen wir in unsere Schlafsäcke, draussen sind derzeit - 34º C und das Thermometer fällt weiter. Am nächsten Morgen zeigt das Thermometer um 8.30 Uhr - 35º C an. Im Wageninneren ist es zwar warm, aber in den Staufächern ist alles gefroren, an den Wänden ist Eis ! Vom Wasser im Tank bis zu den Eiern im Kühlschrank ist alles gefroren!

Und der Wagen springt nicht mehr an. Wir koppeln die Wohnraumbatterie mit der Fahrzeugbatterie, die Batterieanzeige weist auch noch gute Werte aus, aber es hilft nicht. So machen wir uns auf und fragen an der Reception nach Hilfe. Wir sind nicht die einzigen Gäste mit diesem Problem und man hat bereits bei der Tankstelle im Ort angerufen und Hilfe erbeten. Als der "Auftaudienst" dann bei uns angelangt ist, koppeln wir als erstes seine Batterie zu unseren beiden dazu - es hilft nicht. Tja, und dann trauen wir unseren Augen nicht: Der Schwede nimmt einen kleinen Gas-"Flammenwerfer" und taut mit einer nicht sehr kleinen offenen Flamme den Motor und die Ölwanne auf ! Und es klappt, der Wagen springt endlich an ! Innerhalb der nächsten Tage wird es dann wieder wärmer, davon haben wir aber kaum noch etwas, da unser Urlaub zu Ende geht.

Fazit: Es war einer unser schönsten Urlaube. Viele Eindrücke von damals sind auch 15, 20 Jahre danach unvergessen! Der Wohnmobilvermieter zeigte sich sehr kulant in der Erstattung selbst der Auftau-Aktionskosten! Drei Jahre später waren wir dann wieder im Winter im Norden. Wir hatten das Fahrzeug mit Styropor und Glaswolle noch zusätzlich selbst isoliert, der Heizlüfter war auch dabei (und läuft heute noch), wir waren besser ausgerüstet und hatten mittlerweile Freunde in Nord-Schweden, und konnten dort Tag und Nacht den Wagen mit Strom beheizen. Auf dem traditionellen Samenmarkt Anfang Februar in Jokkmokk war es dann noch etwas kälter (bis knapp - 40º C), aber ausser unseren Fotoapparaten und dem Abwassertank ist nichts eingefroren. Und es war erneut ein unvergessliches Erlebnis !

Zusatz: Im Winter absolut notwendig ist eine gute, warme, mehrschichtige Bekleidung. Eine durchgesteppte Daunenjacke vom Grabbeltisch ist total ungeeignet ! Beim Einkauf dieser Bekleidung sollte man ein Spezialgeschäft aufsuchen bzw. deren Kataloge lesen. Wir haben fast unsere komplette Ausrüstung in Hamburg beim Globetrotter erworben und wir wurden dort wirklich kompetent beraten.

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